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Ein Gute-Laune-Beethoven-Abend mit Marcus Schinkel

Von Marie-Luise Derwing-Franz
28.1.2020 Schermbeck. Der "crossover" Pianist Marcus Schinkel bescherte den Besuchern der "Ehem. ref. Kirche" am Sonntagabend mit seinen Interpretationen von Beethovens Kompositionen einen ganz besonderen Abend.


„Crossover Bethoven“ hieß es.
Beethoven war kein brummiger alter Herr, der auf einem Sockel stand, so wie es sich die meisten Liebhaber*innen vorstellen. Der international tätige Tausendsassa Marcus Schinkel verstand es schon in den ersten Minuten die interessierten Zuhörer vom Gegenteil zu überzeugen. Dem Publikum wurde schnell klar, hier ist ein Künstler, der sich vor der großen Leistung Beethovens verbeugt, aber durchaus mit seinen humorvoll, verschmitzten Art einen Weg gefunden hat, den großen Beethoven „alltagstauglich“ darzustellen.
Auf dem Flügel stand ein Synthesizer, den der Musiker als guten Freund vorstellte. Durch dieses Gerät habe er viele Möglichkeiten, die Stücke des großen Meisters anders zu präsentieren und zu interpretieren, da er kein Freund von artig abgespielten Noten ist, erklärte er dem erstaunten Publikum.
Dann folgten schon Schlag auf Schlag die ersten musikalisch bearbeiteten Stücke am Flügel. Es war eine Freude zu sehen und zu hören, wie virtuos Marcus Schinkel am Flügel agierte.
Besonders in der ersten Hälfte seines Lebens war Beethoven ein gut gelaunter und gern gesehener Gast auf vielen Festen, berichtete Schinkel  Oft verliebt, wenn auch oft vergeblich, da er aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung keinen Zugang zu den Damen des Adels bekam. Das Stück „Für Elise“, allen bestens bekannt, war wahrscheinlich für seine große Liebe Therese komponiert, was bis heute nie belegt oder widerlegt wurde.
Ein ziemlicher Chaot muss er gewesen sein. Das Zimmer angefüllt mit Notenblättern auf allen Möbeln, daneben Teller mit Essensresten oder gebrauchter Wäsche. Er war aus heutiger Sicht optisch eine Mischung aus Mick Jagger und Franz- Joseph Strauß. Völlig fokussiert auf seine Musik war ihm alles andere ziemlich schnuppe. Ein Individualist eben.


Anhand verschiedener Kompositionen, die -aufs Feinste vorgetragen- das Publikum begeisterte, beleuchtete der Klavierkönner das Seelenleben seines großen Vorbildes. Kurz vor der Pause variierte Schinkel zur Freude des Publikums die Titelmusik zu Pippi Langstrumpf. Mit einigen Griffen am Flügel verlagerte er die fröhlich, unbekümmerte Melodie in ein dramatisches Stück, wie der Zuhörer es von Beethoven normalerweise kennt. Das war ein Einblick in die gekonnte Arrangierküche des Protagonisten, der diesen Abend so spannend machte.
Beim zweiten Teil des Abends beschäftigte sich der erfolgreiche Musiker mit der zunehmenden Taubheit des Komponisten. „Was hört man, wenn man nichts mehr hört irgendwann?“, gab der Pianist die Frage ans Publikum weiter. „Man hört seinen eigenen Körper und zwangsläufig horcht man in sich hinein.“ erörterte er.
Das läutete bei Beethoven eine neue Epoche ein. So zeigte sich der Zwiespalt zwischen Härte und Zerbrechlichkeit. Durch den Verlust des Gehörs konnte er nicht mehr dirigieren. Er zog sich gesellschaftlich zunehmend zurück, was später in Suizidgedanken gipfelte. Eine Kur in Heiligenstadt und seine Kunst retteten ihn. In diesem Zeitraum schrieb er beeindruckende und berühmte Werke wie zum Beispiel die 9. Sinfonie in d-Moll oder das Streicherquartett op. 127, erfuhr das Publikum.
Ein Mensch, welcher zerrissen und in sich gekehrt und eher übellaunig gewirkt haben muss. Genau das habe das Bild von Beethoven, welches in den Köpfen der Menschen ist, geprägt.
Aber der Abend mit Marcus Schinkel erlaubte es, einen ganz anderen Blickwinkel auf den herausragenden Künstler zu werfen. Er schaffte es mit seiner unbekümmerten, jungenhaften Ausstrahlung, gepaart mit viel Wissen um die Musik den Eindruck zu vermitteln, dass Beethoven „ ein cooler Typ“ war. Ein Gute-Laune-Beethoven-Abend, bei dem jeder das Klavierspiel auf unterschiedlichste Weise genießen konnte.

Marcell Oppenberg bedauerte, dass am selben Abend zwei tolle Konzerte gleichzeitig stattfanden (St. Georgskirche - Gershwin), gelobte aber gemeinsam mit Pfarrer i.R. Wolfgang Bornebusch die Termine  besser abzustimmen.

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