Die Knoblauchkröte in Schermbeck – ein Rück- und Ausblick
9.7.2026 Kreis Wesel (pd). Maßnahmen zum Schutz seltener und regional bedeutsamer Arten im Kreis Wesel, sogenannte Verantwortungsarten, bilden einen wichtigen Schwerpunkt der Naturschutzarbeit der Biologischen Station. Zu diesen Arten zählen beispielsweise der Kiebitz, verschiedene Fledermausarten und die Knoblauchkröte.
Die Kröte mit dem besonderen Namen
Die Knoblauchkröte ist eine geschützte Amphibienart, die typischerweise in Auenlandschaften lebt. Ihren Namen verdankt sie einem besonderen Abwehrmechanismus: Fühlt sie sich bedrängt, sondert sie ein mehr oder weniger nach Knoblauch riechendes Sekret ab. In anderen Regionen ist die Art auch als „Kartoffeltroll“ bekannt, da beim Bearbeiten sandiger Äcker immer wieder im Boden eingegrabene Tiere ausgebuddelt werden.
Denn hier fühlt sich die Knoblauchkröte besonders wohl – tief im Boden. Innerhalb weniger Sekunden kann sie sich rückwärts eingraben. Dabei schiebt sie die Erde Stück für Stück mit den Grabschwielen an den Hinterfüßen zur Seite.
Die besondere Erscheinung der Art beschreibt die achtjährige Tochter einer Mitarbeiterin treffend: „Große goldene Augen wie eine Katze, gemustert wie ein Leopard und ein klein bisschen niedlich.“
Artenschutzprojekt in der Lippeaue
Seit 2014 läuft in der Lippeaue bei Schermbeck ein spezielles Artenschutzprojekt zur Knoblauchkröte. Dort befindet sich das letzte und einzige bekannte Vorkommen der Art im Kreis Wesel.
Neben Untersuchungen zur Ausbreitung und Populationsgröße wurden seit Projektbeginn bereits vier neue Laichgewässer angelegt, Sandwälle als Landlebensraum geschaffen und nachgezüchtete Knoblauchkröten ausgesetzt, um den Bestand zu vergrößern und langfristig zu sichern.
Auf Spurensuche unter Wasser
Da die Tiere sehr versteckt leben und nachtaktiv sind, ist die Art schwierig nachzuweisen. Die Biologische Station Kreis Wesel nutzt hierfür spezielle Aufnahmegeräte, die über mehrere Wochen sämtliche Geräusche unter Wasser aufzeichnen können. Diese konnten dank der Förderung der Naturschutzstiftung Niederrhein für diesen Zweck angeschafft werden.
Vor allem im April rufen die Männchen nachts unter Wasser ihr charakteristisches „wok wok wok“, das wie ein leises Klopfen klingt. Diese Paarungsrufe sind unverkennbar und lassen sich auf den Aufnahmen leicht erkennen. So kann das Vorkommen der Art in einem Gewässer bestätigt werden.
Erfolgreiche Bestandsentwicklung
Eine deutlich zeitintensivere Untersuchungsmethode ist der Einsatz eines Amphibienzauns. Ein Fangzaun mit eingegrabenen Eimern an zwei Gewässern in der Lippeaue hat im vergangenen Jahr bestätigt, dass sich aus den dort im Jahr 2021 ausgesetzten Kaulquappen ein gesunder Bestand entwickelt hat.
Stolze 38 Tiere sind im Frühjahr zugewandert. Für das Projekt ist dies ein voller Erfolg. Immerhin gilt die Knoblauchkröte als vom Aussterben bedroht – und jedes Tier zählt.
Herausforderungen durch trockene Jahre
Doch wie geht es weiter mit der Art? Durch die trockenen vergangenen Jahre, auch am Niederrhein, waren bekannte Laichgewässer entlang der Lippe teilweise bereits im April ausgetrocknet. In solchen Jahren haben die Kaulquappen keine Chance, sich vollständig zu entwickeln. Die Jungkröten benötigen etwa bis Juli, bevor sie die Gewässer verlassen können.
Eine Vertiefung und/oder Abdichtung der Gewässer wäre eine mögliche Lösung, damit sich Niederschläge länger halten können. Ebenso wichtig ist die weitere Vergrößerung des Gewässernetzes, um der Art ausreichend Lebensraum anzubieten.
Neue Gewässer geplant
Diese möglichen Maßnahmen zur weiteren Förderung der Knoblauchkröte sollen in diesem Jahr geprüft werden, um anschließend die bestmögliche Lösung im Winter umsetzen zu können.
Voruntersuchungen an potenziellen Standorten sind der nächste Schritt, bevor die Detailplanung neuer Gewässer beginnt. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, darunter Eigentumsverhältnisse, Zuwegungen sowie schutzwürdige Aspekte wie Grundwasser, Boden, Vegetation, das Vorkommen anderer Tierarten und weitere Rahmenbedingungen.
Die vorgesehenen Flächen befinden sich in öffentlicher Hand und stehen im Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der NRW-Stiftung. Geplant sind drei neue größere Gewässer. Zusätzlich soll ein bestehendes Gewässer vergrößert werden, in dem die Knoblauchkröte aktuell erneut bestätigt werden konnte.
Viele Arten profitieren
Von den Maßnahmen profitiert nicht nur die Knoblauchkröte. Auch der seltene Kammmolch sowie weitere heimische Amphibienarten wie Teichmolch, Bergmolch, Fadenmolch, Erdkröte sowie Gras- und Wasserfrosch kommen in der Lippeaue vor. Sie alle leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels und dem Verschwinden geeigneter Laichgewässer.
Neu angelegte Gewässer können in der Regel jedoch erst nach ein bis zwei Jahren von Amphibien genutzt werden. Die Gewässer müssen sich zunächst entwickeln. Wasserpflanzen müssen wachsen und Wasserinsekten die neuen Lebensräume besiedeln. Erst dann stehen ausreichend Strukturen für die Eiablage und genügend Nahrung zur Verfügung. Erst dann erfüllen die Gewässer ihre volle ökologische Funktion.
Wissenswertes zum Schluss
Knoblauchkröten legen ihre rund 2.000 Eier in langen Laichschnüren ab – ähnlich wie die Erdkröte. Frösche hingegen legen ihre Eier in Form von Laichballen ab.





