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Oldtimertreffen Lühlerheim: Wenn alte Fahrzeuge Geschichten erzählen 

Von Julian Schäpertöns
20.9.2026 Weselerwald Jahrelang hat Hans Horstmann in seiner Garage geschraubt. Abends, am Wochenende, immer dann, wenn wieder ein Teil ausgebaut, repariert oder ersetzt werden musste. Sein DKW F7, Baujahr 1938, war damals weit davon entfernt, wieder auf der Straße zu fahren. Für Horstmann war das kein Grund aufzugeben. Im Gegenteil: Der Wagen wurde zu einem Lebensprojekt.

Am Sonntag steht der DKW als eines der ältesten Fahrzeuge zwischen den alten Bäumen des Landschaftsparks Lühlerheim. Horstmann steht mit seiner Frau daneben. 82 Jahre ist er inzwischen alt – und noch immer fährt er mit dem Wagen durch die Gegend. Zwei Zylinder, 18 PS. Der Fahrgastraum besteht aus Holz und Kunstleder. Der DKW ist kein Museumsstück, sondern ein Auto, das bewegt wird. Rund 50.000 Kilometer sind seit 1999 zusammengekommen. Horstmann war damit bis in die Schweiz und nach Norwegen unterwegs. „Der ist zuverlässig“, versichert er.

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Dann erzählt er, wie alles begann. 1984 kaufte er den Wagen. Viel war damals nicht mehr von einem Schmuckstück übrig. Der DKW war ein Schrotthaufen, den Horstmann selbst wieder aufbaute. Jahrelang wurde geschraubt, wurden Lager erneuert und Teile repariert. Bis seine Tochter ihm schließlich ein Ziel setzte. Sie war 13 Jahre alt, als sie zu ihrem Vater sagte: „Papa, wenn ich mal heirate, dann musst du den fertig haben.“

Horstmann hielt sein Versprechen. Im Mai 1999 war der DKW wieder fahrtüchtig – rechtzeitig zur Hochzeit seiner Tochter. „Auch wenn ich an manchen Tagen bis 0 Uhr in der Garage verbracht habe“, erzählt er schmunzelnd. Am Ende hat es sich gelohnt: Am Hochzeitstag konnte Horstmann seine Tochter mit dem selbst restaurierten DKW fahren. Seitdem gehört der Wagen zu seinem Leben. Und die Spuren dieser Jahre sind nicht nur im Auto zu finden, sondern auch in den Erinnerungen, die damit verbunden sind.

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Ein Treffpunkt für Oldtimerbesitzer 
So eine persönliche Geschichte dürften viele der Oldtimerbesitzer erzählen können, die an diesem Sonntag (20. September), in den Landschaftspark Lühlerheim gekommen sind. Hinter jedem Fahrzeug steckt nicht nur alte Technik, sondern oft auch ein Stück Biografie: jahrelange Arbeit, besondere Begegnungen, gemeinsame Ausfahrten und unzählige Kilometer auf der Straße.

Zum Oldtimertag der Oldtimerfreunde Schermbeck treffen sie sich. Sie fachsimpeln über Motoren und Restaurationen, erzählen sich Geschichten und schauen gemeinsam unter Motorhauben. Zwischen mehr als 125 Jahre alten Backsteingebäuden und mächtigen alten Bäumen stehen historische Autos, Motorräder und Traktoren. Besucher schlendern über die Wiese, bleiben an glänzendem Chrom stehen und entdecken immer wieder Fahrzeuge, die ihre ganz eigene Geschichte erzählen.

Heute ist sehr viel Regen
„Sieben Jahre ist es jetzt schon her, dass wir hier auf Lühlerheim waren“, sagt Sven Schlei, Vorsitzender der Oldtimerfreunde Schermbeck. Nach der Corona-Zeit sollte die Veranstaltung 2022 eigentlich wieder auf dem Gelände stattfinden. Doch damals war es zu trocken. Am Sonntag nun das genaue Gegenteil.

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„Heute ist sehr viel Regen“, sagt Schlei. Und der kommt ausgerechnet am Vormittag – zu einer Zeit, in der viele Oldtimerbesitzer noch überlegen, ob sie ihr Fahrzeug überhaupt aus der Garage holen. Ein Oldtimer ist schließlich nicht einfach ein Auto. Für viele Besitzer steckt darin jahrelange Arbeit, Erinnerung und nicht selten ein kleines Vermögen.

Trotz des Wetters rollen nach und nach weitere Fahrzeuge auf das Gelände. Rund 300 Oldtimer schätzt Sven Schlei an diesem Tag – deutlich weniger als noch vor sieben Jahren. 2019 waren es rund 1200 Fahrzeuge, die nach Lühlerheim kamen.

Trotzdem ist die Rückkehr für die Oldtimerfreunde Schermbeck etwas Besonderes. Denn der Oldtimertag findet wieder dort statt, wo seine Geschichte begann. Der Verein wurde 2003 gegründet, 2005 trafen sich die ersten Oldtimer in Lühlerheim. Nach der Corona-Pause zog die Veranstaltung für drei Jahre zur Zeche Leopold nach Dorsten. Dort fand sie ebenfalls großen Zuspruch, doch das grüne Gelände von Lühlerheim blieb den Organisatoren in Erinnerung. Nun stehen die historischen Fahrzeuge wieder zwischen den alten Bäumen und Backsteingebäuden. Der Oldtimertag ist zurück an seinem Ursprung.

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Ein Porsche für Millionen und ein Künstler mit Zeichenblock
Auf dem Gelände gibt es viele Autos, die eine ganz eigene Geschichte erzählen. Ein silberner Porsche 356 zieht an diesem Vormittag besonders viele Blicke auf sich. Ein Rallye-Porsche, erklärt Schlei. Rund 200 PS leistet der Motor. Für den normalen Straßenbetrieb gibt es zusätzlich einen kleineren Motor mit 90 PS. 
Und der Wert? „Wir sind da ungefähr im siebenstelligen Bereich“, sagt Sven Schlei. Der Porsche gehört einem privaten Besitzer. Dass ein solches Auto auf dem Gelände steht, hat viel mit den Kontakten der Schermbecker zu tun. In der Oldtimerszene kennt man sich, Empfehlungen wandern von einem Treffen zum nächsten.

Während andere Besucher ihre Handys und Kameras zücken, um den seltenen Rallye-Porsche festzuhalten, wählt Mykhailo Daragan einen anderen Weg. Mit seinem Zeichenblock kniet er vor dem silbernen Fahrzeug. Konzentriert wandert sein Blick zwischen dem Porsche und dem Papier hin und her, während der Stift langsam über die Seite gleitet. Strich für Strich entsteht vor ihm eine Zeichnung des Oldtimers.

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Der junge Künstler ist zum ersten Mal in Schermbeck. Zwei Stunden ist er mit dem Zug aus Gummersbach angereist. An den Wochenenden ist er regelmäßig auf Oldtimertreffen in Nordrhein-Westfalen unterwegs. Seit zweieinhalb Jahren lebt der Ukrainer in Deutschland. Einen eigenen Oldtimer besitzt er nicht. Dafür zeichnet er sie.

Seine Begeisterung für die alten Fahrzeuge reicht bis in seine Kindheit zurück. Filme und Computerspiele haben sie mitgeprägt. In der Ukraine, erzählt er, sei die Oldtimerszene nicht so groß gewesen. Erst in Deutschland habe er entdeckt, dass es beinahe jede Woche irgendwo ein Treffen gibt. Während ringsum Motoren laufen und Besucher über Technik diskutieren, entsteht auf seinem Papier langsam die Silhouette des Porsche.

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Zuerst kamen die Outfits 
Ein paar Meter weiter scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Aus einem Plattenspieler klingt Musik vergangener Jahrzehnte. Auf einer alten Tischdecke stehen Obst, Gemüse, Kekse und Getränke. Vor dem Oldtimer haben Frank und Elisabeth ihr kleines Picknick aufgebaut. Sie tragen Kleidung im Stil der 1950er-Jahre. Diana und Harald sind noch weiter zurückgereist: Ihre Outfits erinnern an die 1930er-Jahre.
Für einen Moment passen hier nicht nur die Autos in eine andere Zeit, sondern auch die Menschen, die davor sitzen.

„Zuerst waren die Outfits da, dann haben wir die Autos gekauft“, erzählt Elisabeth. Die vier Freunde lieben die alten Zeiten – die Kleidung, die Musik und die Atmosphäre. Ihr Oldtimer ist dabei nicht einfach ein Fahrzeug, sondern Teil einer ganzen Inszenierung. Sie sitzen vor ihrem Wagen, essen, hören Musik und beobachten die anderen Besucher.

 

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