Nah dran am Leben-Joscha Klees ist keiner der Schule nur verwaltet
6.4.2026 Schermbeck.Die Schermbecker Grundschule hat einen neuen stellvertretenden Schulleiter: Was Joscha Klees antreibt, was ihm wichtig ist und wie er Schule weiterdenkt
Wenn man mit dem neuen stellvertretenden Schulleiter der Grundschule in Schermbeck spricht, merkt man schnell: Hier sitzt keiner, der Schule nur verwaltet. Hier sitzt jemand, der sie lebt. Als Pädagoge, als Vater und schlichtweg als Mensch, der genau hinschaut. Anfang dieses Jahres hat er als stellvertretender Schulleiter der Schermbecker Gemeinschaftsgrundschule seine Stelle angetreten, nur elf Tage, bevor der Spatenstich für den Neubau erfolgte. Eine Herausforderung und Chance, wie der 41-jährige Joscha Klees findet.
Sein Weg nach Schermbeck begann nicht im Büro, sondern im Alltag. 2020 zog er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen bewusst aufs Land. Nach Jahren in eher städtischer Umgebung suchte die Familie des gebürtigen Hünxer Ruhe, Platz und ein Stück Natur. Gefunden haben sie all das zwischen Feldern und Pferdekoppeln. „Ein bisschen wie Bullerbü“, beschreibt er es schmunzelnd.
Die Grundschule kannte er längst, bevor er dort arbeitete. Einer seiner beiden Söhne besucht hier inzwischen die vierte Klasse, er engagierte sich über Jahre als Schulpflegschaftsvorsitzender.
Seine beruflichen Wurzeln finden sich in der Sonderpädagogik. Er studierte in Köln, geprägt durch viele Jahre an Förderschulen. Besonders eindrücklich war für ihn eine Station in einem kleinen Projekt in Dinslaken: ein Lernort für Kinder, die im klassischen Schulsystem keinen Platz mehr fanden. Hier ging es nicht nur um Stoffpläne, sondern um Lebenswege. Um die Frage: Warum funktioniert es nicht? Und vor allem: Wie kann es wieder funktionieren? „Man lernt, genau hinzuschauen“, sagt er rückblickend. „Und vor allem: zuzuhören.“
Nach einigen Jahren zog es ihn zurück in größere Strukturen und schließlich an die klassische Grundschularbeit. Ein Schritt, der für ihn durchaus ein Sprung ins kalte Wasser war.
Faszination Schule
„Diese Neugier, dieses Feuer, das ist unglaublich. Das ist das Tolle an der Arbeit mit den Kleinen“, erzählt er. „Und gleichzeitig stellt man sich die Frage: Wie schaffen wir es eigentlich, dieses Feuer nicht auszubremsen?“ Für ihn ist das einer der zentralen Punkte moderner Pädagogik. Kinder lernen nicht im Gleichschritt. Sie haben unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Geschwindigkeiten, unterschiedliche Bedürfnisse. Schule müsse darauf reagieren.
Seine Vorstellung: weniger starre Strukturen, mehr Freiräume. Lernen, das sich an den Kindern orientiert, nicht umgekehrt. Ein Ansatz, der nicht nur idealistisch klingt, sondern den er auch ganz praktisch denkt. Gerade mit Blick auf den geplanten Neubau der Grundschule sieht er darin eine große Chance.
Denn ein neues Gebäude ist für ihn weit mehr als Beton und Glas. Es ist die Möglichkeit, Schule neu zu denken. Räume anders zu nutzen, Lernen anders zu organisieren, Zusammenarbeit neu zu gestalten. „Es wäre schade, wenn wir all diese Möglichkeiten hätten und sie am Ende nicht nutzen“, sagt er.
Diskurs fördern
Dabei ist ihm wichtig: Veränderung funktioniert nicht allein. Sie braucht ein Kollegium und auch Eltern, die mitgehen. Menschen, die bereit sind, Dinge auszuprobieren, aber auch kritisch zu hinterfragen. Genau darin sieht er eine seiner Aufgaben: Prozesse begleiten, Perspektiven zusammenbringen, Struktur schaffen. Er möchte nahbar sein und genau dieses Zusammenspiel nicht ausbremsen, sondern fördern. Vielleicht gerade deshalb, weil er selbst Teil des Dorflebens ist. Man trifft ihn beim Einkaufen, auf dem Spielplatz oder an anderen Stellen in Schermbeck. Die Eltern sind für ihn keine anonyme Gruppe, sondern Menschen, mit denen er im Alltag spricht. Diese Nähe sieht er als Chance. „Man kann Dinge direkt klären“, sagt er. Missverständnisse entstünden oft dort, wo nicht miteinander geredet werde.
Joscha Klees kennt die Herausforderungen des Systems, aber er glaubt auch an seine Möglichkeiten. Schule ist für ihn kein starres Gebilde, sondern etwas, das sich entwickeln darf und entwickeln muss.
Text und Foto Aileen Kurkowiak Lebensart Redaktion
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