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20 Jahre GAGU Zwergenhilfe - ein Engagement das Kindern eine Perspektive gibt
Von Gaby Eggert
13.10.2026 Schermbeck. „Gagu GAGU let`s go on, 20 Jahre haben wir schon…..“ Das sangen die Mitglieder der GAGU Zwergenhilfe zur Begrüßung der Gäste im Ramirez Saal. Am Samstagabend feierte der Verein GAGU Zwergenhilfe eV aus Schermbeck dort sein 20-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit 180 nationalen und internationalen Gästen wurde ein mehr als vierstündiges fröhliches, buntes und emotionales Geburtstagsfest gefeiert.

Ein komplettes Drehbuch- so wie man Gudrun Gerwien kennt- hatte diese für den Abend geschrieben, welches Ehrungen, Musik und verschiedene Wortbeiträge beinhaltete. Dankbarkeit und Demut, das war der rote Faden, der durch das Programm führte, welches wesentlich länger als vorgesehen dauerte. Das afrikanische Buffet für die Gäste war zum Beispiel so gar nicht vorgesehen. „Ich dachte die Damen der afrikanischen Community in NRW bringen Fingerfood mit. Aber sie haben gekocht und das hat den Zeitplan natürlich um mindestens eine Stunde gesprengt“, berichtete Gudrun Gerwien. Die Gäste im Saal genossen es.

Ein besonderer Dank des Vereins ging an Günter Beck, der seit 20 Jahren die Schirmherrschaft für den Verein innehat. Gerwien betonte: „Günther, Danke für zwanzig Jahre Schirmherrschaft, für Dein Vertrauen in uns und dafür, dass du immer da bist, wenn wir Dich brauchen.“ Eigentlich sollte das Patenkind als Überraschung nach 20 Jahren seinen Patenonkel Günter in die Arme schließen können. „Leider hat er auch nach langwierigen Bemühungen kein Visum bekommen“, bedauerte Gudrun Gerwien.
Angereist aus Berlin war seine Excellenz der Botschafter von Sierra Leone M`Baimba Lamin Baryoh, der sich ausführlich für den Einsatz des Vereins in seinem Land bedankte.

Bürgermeister Mike Rexforth brachte es in seiner Ansprache so auf den Punkt: „20 Jahre GAGU Zwergenhilfe- das sind 20 Jahre voller Herzblut, Einsatz und mancher Herausforderung.“ Im Kern gehe es um etwas ganz Einfaches und zugleich unendlich Wertvolles: Menschen nicht allein zu lassen, Kindern eine Zukunft geben und ihnen zu zeigen: „Du bist nicht vergessen. Da ist jemand, der an Dich glaubt und Dir helfen möchte, Deinen eigenen Weg zu gehen.“
Die GAGU-Zwergenhilfe e.V. wurde am 2. Oktober 2006 von ehemaligen Laienspielern der Theatergruppe Ma-mi-La gegründet. Die Theatergruppe Ma-mi-La sammelte über 16 Jahre lang Spenden durch ihre Aufführungen für karitative Zwecke. Osman Turay, der sein Land aufgrund des Bürgerkrieges verlassen hat, erhielt auf sein Bitten hin damals schon Spenden, die er in seine Heimat schickte. Aus dem Engagement der Theatergruppe heraus entstand die Vision, als eigenständiger Verein mit noch größerem Einsatz für hilfsbedürftige Kinder und Familien einzutreten.

Am 2.10.2006 wurde so die GAGU Zwergenhilfe gegründet, Gudrun Gerwien reiste nach Sierra Leone und kam mit dem Gedanken zurück, dort helfen zu wollen. „Wir wollten nur einmal mit eigenen Augen sehen, wohin unsere Spenden gehen. Mehr nicht. Doch dann begegneten uns die Menschen. Wir sahen die Kinder, blickten in ihre Augen, hörten ihr Lachen. Und wir sahen zugleich, in welch großer Not viele von ihnen lebten. Kinder, die noch nicht einmal eine warme Mahlzeit am Tag bekamen. Wir konnten nicht einfach wieder nach Hause fahren und so tun, als hätten wir das alles nicht gesehen.“ Mit dabei war Osman Turay der den GAGUS auch heute noch ein bedeutender Partner bei der Entwicklungshilfe ist. „Osman ist ein sehr wichtiger Begleiter und unverzichtbar für unsere Arbeit“, versichert Gudrun Gerwien. Dieser baue Brücken und gebe wichtige Einblicke in die Kultur.

Das von Armut und oftmals perspektivlose Leben dort, besonders der Kinder berührte ihr Herz und ließ sie fortan nicht mehr los. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern und Dieter Schmitt an ihrer Seite entwickelte sie Ideen für die Finanzierung ihrer Vorhaben. Wer Gudrun Gerwien kennt, kennt auch ihre kreativen Gedanken die sie umsetzt. Immer und irgendwie - vor alem aber mit großem Gottvertrauen.
Heute, 20 Jahre später blickt der Verein stolz, aber auch mit Demut auf das Erreichte: Ein Waisenhaus wurde gebaut, mehr als 90 Kindern durch Patenschaften eine Perspektive im Leben ermöglicht, mehr als 40 Kinder im Waisenhaus Home of Hope aufgenommen, Ebola Waisen ein neues Zuhause geschaffen, 20 Kindern der ersten Generation ein Studium oder eine Ausbildung ermöglicht, unzählige Patienten in der GAGURO Klinik kostenlos behandelt und die Wasser- und Stromversorgung für die Einrichtungen der GAGUS dauerhaft gesichert.

„Wenn wir könnten, würde ich alle Kinder retten“, das sagen Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt, immer wieder. Aber sie wissen, dass sie das nicht können. Was ihnen bei ihrer Arbeit wichtig ist: „Wir möchten Hilfe zur Selbsthilfe leisten“. Neben der Schermbecker Bevölkerung, deren Spendengelder in dieses Projekt fließt, sind den beiden immer wieder Institutionen und Menschen begegnet, die sich von ihrem Tatendrang haben anstecken lassen. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt nahm Bürgermeister Mike Rexforth zum Beispiel eine Wette an. 50.000 Euro sollte er innerhalb eines Jahres zusammenbekommen. Er hat es geschafft und er habe, so sagte er noch viel mehr gewonnen: „Wir haben gemeinsam gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen für einander einstehen.“

Das zeigte der mittlerweile verstorbene Helmut Ackmann aus Raesfeld, der sich dafür einsetzte, dass die GAGURO Krankenstation gebaut wurde. „Wir hatten damals das Gefühl, dass das etwas ganz Wichtiges ist, was Ihr da macht“, so Edgar Rabe, der zukünftige Präsident des Rotarie Clubs Lippe Issel, der die GAGUs dafür würdigte, dass in deren Arbeit der Mensch eine wichtige Rolle spielt. Und: „Wir haben Steine für die GAURO Krankenstation bezahlt und ihr habt daraus einen Ort gemacht, dem die Menschen vertrauen.“ Rabe versicherte: „Unsere Partnerschaft macht Freude und ich versichere Euch, dass unsere Zusammenarbeit Zukunft hat.“ Stefan Proff, der mittlerweile mehrfach in Sierra Leone war, zeigte sich tief beeindruckt von dem Projekt: „Ich hätte nie gedacht, dass so ein kleiner Verein aus Schermbeck, so etwas Großes auf die beine stellen kann.“

Charlotte Quik (MdL) würdigte ebenfalls die Arbeit des Vereines: „Das ist gelebter Kinderschutz - Danke dafür.“ Der stellvertretende. Landrat Günter Helbig zeigte sich tief beeindruckt und nannte das Projekt ein Leuchtturmprojekt im Kreis Wesel: „Hier bekommt die Entwicklungshilfe ein konkretes Gesicht.“
Bürgermeister Mike Rexforth warb in seiner Ansprache auch für Patenschaften.
Rexforth betonte: „Diese Verbindung hat unseren Blick auf die Welt verändert.“ Denn: „Unsere beiden Patenkinder sind nicht einfach zwei Namen auf einer Liste. Sie stehen für junge Menschen mit eigenen Wünschen, Hoffnungen und Geschichten. Patenschaften sind eine Verbindung, die weit über Geld hinausgeht. Sie sind ein Versprechen hinzuschauen und Verantwortung zu übernehmen. Denn hinter jeder Patenschaft steht ein Mensch, dessen Leben dadurch eine andere Richtung nehmen kann.

Eine besondere Überraschung erlebte GAGU Mitglied Johannes Nover. Denn er begleitet die Arbeit des Vereins seit der Gründung mit der Kamera. In jedem Jahr reist er sogar mit nach Sierra Leone. Dafür wurde ihm der rote Teppich ausgerollt und er erhielt vom Verein eine goldene Kamera als symbolisches Dankeschön überreicht.

Rotarier Stephan Proff in der GAGURO Krankenstation die mithilfe der Rotarys Lippe-Issel gebaut werden konnte Foto GAGUS Archiv