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Fotos privat

Der 29-jährige Moritz Oberheim lebt seinen Traum- Er ist Rennfahrer – und das aus Passion

30.9.2026 Schermbeck (ab). Vor knapp 10 Jahren haben wir mit Moritz Oberheim über seine Leidenschaft des Rennfahrens gesprochen. Er hat sein Ziel nicht aus den Augen verloren und ist dran geblieben. Arnulf Beckmann hat mit ihm über seinen Weg und seine Passion gesprochen. 

Wenn es einen Menschen gibt, der die Nordschleife in- und auswendig kennt, dann ist das Moritz Oberheim. Der junge Mann ist 29 Jahre alt und hat weit mehr als 1000 Runden auf der großen Runde auf dem traditionsreichen Nürburgring gedreht. Den einzigartigen Rennkurs, der noch bis vor wenigen Jahren auf seinem Grand-Prix-Abschnitt die Formel 1 beherbergte, bearbeitet der Schermbecker an etlichen Wochenenden mit einem hochmotorigen Tourenwagen. Moritz Oberheim ist Rennfahrer – und das aus Passion. „Ich fahre seit elf Jahren auf diesem wunderbaren Rundkurs Langstreckenrennen”, sagt er. „Da hat man jeden Meter Asphalt komplett verinnerlicht.”

Dass er diesen gewaltigen Rundkurs wie kaum ein Zweiter beherrscht, stellt Oberheim dabei Jahr für Jahr unter Beweis. Als Fahrer des Racing-Teams „W&S-Motorsport”, das mit insgesamt fünf Fahrzeugen an den Start geht, nimmt er in den entsprechenden Klassen GT 4 und Porsche-Cup an den Tourenwagenrennen teil – und das sehr erfolgreich. In seiner Laufbahn kommt er inzwischen auf insgesamt 41 Klassensiege, wobei vier Erfolge bei 24-Stunden-Rennen dabei waren, die er sich mit zwei weiteren Fahrern pro Rennauto teilt.

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In dieser Saison konnte Oberheim immerhin schon drei Rennen für sich entscheiden und wahrt damit die Chance, in seiner Klasse den Gesamtsieg in der Porsche Endurance Trophy zu erringen. „Das entscheidende Wochenende findet vom 9. bis zum 10. Oktober statt, wenn ein Doppelevent die Entscheidung bringen wird”, sagt er. „Derzeit liegen wir 18,5 Punkte hinter dem Führenden, wobei die Chancen eher gering sind, das noch aufzuholen.” Die Belohnung wäre unter anderem eine Einladung zur Porsche-Night of Champions im Entwicklungszentrum des Autoherstellers nahe Stuttgart.

Tatsächlich muss man sich das Ambiente vorstellen wie man es von der DTM oder gar von der Formel 1 kennt – nur nicht ganz so groß. Für Siege und Platzierungen gibt es Punkte, und wer übers Jahr die meisten sammelt, der gewinnt. Der Rennstall „W&S-Motorsport” stellt dabei ein klassisches Team von mehr als 30 Leuten, mit Teamchefs, Fahrern, 20 Mechanikern und fünf Ingenieuren. „Für jeden Bereich gibt es handelnde Personen, sodass alles abgedeckt ist”, sagt Oberheim, dessen aktuelles Fahrzeug ein Porsche Cayman GT 4 982 mit 435 PS und einer Spitzengeschwindigkeit nahe an den 300 ist. „Wir verfügen sogar über eine eigene Küche.”

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Das Highlight, nicht nur in diesem Jahr, war einmal mehr die Teilnahme am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. „Das ist das Rennen schlechthin”, sagt er und erzählt, dass in diesem Jahr unter anderem Max Verstappen neben etlichen Werksfahrern, die bereits in Le Mans oder am Nürburgring gewinnen konnten, mitgefahren ist. Auch Ex-Formel 1-Fahrer Robert Kubica stattete dem Ring einen Besuch ab. Und Max Kruse, ehemaliger Fußball-Profi reüssiert derzeit sogar mit einem eigenen Rennteam, wobei er auch selbst einen Wagen steuert. „Viel Kontakt gibt es da aber nicht”, sagt Oberheim. „Man sieht sich allenfalls mal bei der Siegerehrung.”

 Ein rund vierstündiges Rennen, wie es Oberheim mit zwei weiteren Fahrern normal fährt, verschlingt auch Material und Sprit. Acht bis neun Umläufe halten die Reifen bei Rundenzeiten zwischen 8:30 und 8:40 Minuten. Dann werden beim Boxenstopp die Pneus gewechselt, es wird vollgetankt und der nächste Fahrer übernimmt. Zum Vergleich: Hobbyfahrer, die mitb ihrem eigenen Fahrzeug mal eine Runde drehen, benötigen für diese Gesamtstrecke von knapp 25 Kilometern in der Regel deutlich mehr als zwölf Minuten.

 

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Dass das alles auch eine Stange Geld kostet, will Oberheim gar nicht erst in Abrede stellen. Natürlich hat das Team Sponsoren und ein eigenes entsprechendes Budget. Aber auch die Fahrer müssen ihren Teil dazu beitragen, um ihre Leidenschaft zu finanzieren. Zum einen bringen sie selbst Geld mit, zum anderen veranstaltet das Team entsprechende Events für Gäste, die dann am Freitag eines Rennwochenendes für eine Runde mit den Fahrern mitfahren dürfen und Rennatmosphäre hautnah erleben können. „Tatsächlich bleibt da am Ende eines Jahres schon ein wenig für mich übrig”, sagt Oberheim. „Das ist aber letztlich schon Anstrengung und Arbeit.”

Begonnen hat Oberheims Leidenschaft für den Rennsport bereits im zarten Alter von sieben Jahren. Damals fuhr er – angespornt von einem Papa mit Rennleidenschaft – bereits Motocross-Rennen in den Niederlanden, saß mit zehn bereits in einem Cart und stieg sechs Jahre später in eine Automobil-Serie ein. Und weil er Talent besaß und Spaß daran gefunden hatte, wechselte er mit 18 auf die Nordschleife, um dort Langstreckenrennen zu fahren. Vorbereitet hat er sich dabei an der Playstation, um per Rennsimulator die Strecke zu verinnerlichen. „Das geht aber nur bis zu einem gewissen Punkt, weil die Nordschleife sich ständig verändert”, sagt er. „Neuer Asphalt, veränderter Grip – ich muss mich immer wieder neu zurechtfinden, um das Optimum herauszuholen.”

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Dass die Gefahr dabei stets mitfährt, liegt bei einem solch riskanten Business wie Rennsport auf der Hand. Einmal, das war 2017, passierte es dann doch. Am Schwedenkreuz, eine markante Rennstelle auf dem Nürburgring, verlor er seinen Racer bei Tempo 230. Der Aufprall war entsprechend heftig, aber mit Ausnahme von minimalen Beinschmerzen blieb Oberheim unverletzt. „Seither kenne ich meine Grenzen”, sagt er. „Vor allem bei schwierigen Wetterbedingungen gerate ich aber immer wieder in Grenzbereiche. Da muss ich voll fokussiert sein, um jeden Bremspunkt exakt zu treffen.”

Heute, mit fast 30 Jahren, betreibt er den Motorsport nebenberuflich, weil ihm früh klar war, dass das Business, in dem der Fahrer zumeist nur von Jahr zu Jahr denken kann, ihm zu risikobehaftet ist, was die wirtschaftlichen Grundlagen betrifft. „Diese Abhängigkeit ist auf Dauer enorm anstrengend”, sagt er und erzählt, dass er vor rund sechs Jahren das Angebot seines Vaters annahm, in dessen Unternehmen einzusteigen und sich seither in dessen Meisterwerkstatt in Recklinghausen um Bootshandel und andere maritime Belange kümmert.

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Sicher, auch da geht es von Zeit zu Zeit um Geschwindigkeit, aber da der Fokus des Geschäftes auf Angelboote liegt, geht es hier deutlich gemächlicher zu als in einer Racing-Box. „Nicht selten nehmen wir an Angelturnieren – zumeist in Holland – teil”, sagt Moritz Oberheim. Und das durchaus erfolgreich. „Ich werde aber sicher nicht behaupten, mehr Glück beim Angeln als beim Motorsport zu haben.”
Über ein Ende seiner großen Leidenschaft will er ohnehin nicht nachdenken. Dafür bedeutet ihm das Racing unendlich viel. Und er weiß: „Auch mit weit über 40 kann man noch auf einem sehr hohen Niveau unterwegs sein.”

 

Lesen Sie aus 2014
https://schermbeck-grenzenlos.de/index.php/leute/4308-moritz-oberheim-im-jahr-2014?highlight=WyJvYmVyaGVpbSIsIm9iZXJoZWltcyJd

 

und aus 2017
https://schermbeck-grenzenlos.de/index.php/leute/5760-moritz-oberheim-auf-dem-weg-zum-berufsrennfahrer?highlight=WyJvYmVyaGVpbSIsIm9iZXJoZWltcyJd