Helmut Schult war vor 70 Jahren Schützenkönig in Bricht

Von Gaby Eggert
22.5.2019 Bricht. Im Jahr 1949 wurde in Bricht das erste Schützenfest nach dem Krieg gefeiert. Schützenkönig wurde damals der heute 91jährige Helmut Schult, der im Rahmen des Schützenfestes als Gnadenkönig geehrt wird

 „Es war der 22. Mai 1949“, daran erinnert sich Schult noch ganz genau. Und: “Die letzten Soldaten sind im März nach Hause gekommen“.

Die Königswürde habe ihn damals völlig überraschend ereilt, erinnert sich Schult. „Ich war erst 21 und hab gar nicht daran gedacht König zu werden“, sagt er lachend. Kinderkönig sei er im Jahr 1937 auch schon gewesen. Das letzte Schützenfest im Krieg wurde in Bricht im Jahr 1939 gefeiert. Gustav und Lina Engelmann waren damals das Königspaar. Engelmann übergab im Jahr 1949 die Königskette persönlich an Helmut Schult und feierte mit seiner Regentin das Fest auf dem Thron mit.
Geschossen wurde unterm Lindenbaum am „Schwarzen Adler“. Dafür wurde ein zersägtes Gewehr zur Armbrust umgebaut und mit Pfeilen auf eine Scheibe in etwa 10m Meter Entfernung gezielt. In den ersten Jahren habe man den Zirkel noch zur Messung zur Hilfe genommen, um festzustellen, wer mit seinem Schuss am nächsten im Zentrum gelandet ist.
Seine Königin wurde Magdalene Baumann, die aber bereits verstorben ist. Zum Throngefolge (ebenfalls verstorben) gehörten Herbert Brüggemann und Anneliese Schult, sowie Walter Baumann und Ruth Brüggemann.


Nach dem Königschuss der samstags stattfand ging es immer zum Umtrunk in die Gaststätte „Zum schwarzen Adler“. Sonntags um zwei Uhr trafen sich alle zum Antreten, danach zog man durchs Dorf und zum Totengedenken am Ehrenmal.
Da man ja ohne Musik nicht tanzen kann, sagte der ehemalige König wurde die Bergmanns Kapelle Holsterhausen und das Tambourcorps Bricht dafür eingespannt. „Die spielten damals noch bis sechs Uhr morgens wenn es sein musste“, erzählte Schult. Dabei hatten die Majestäten natürlich auch immer den Stalldienst im Blick. Denn auch der musste zwischen dem Feiern erledigt werden.
Gefeiert wurde damals auch schon sonntags und montags im Zelt, nachdem die Inthronisierung stattgefunden hatte. Die Männer trugen dabei ihren Sonntagsanzug, während die Damen sich oft auch schon ein langes Kleid kauften.
Schult erinnert sich, dass es auch in seinen jungen Jahren immer mal wieder schwierig war einen König zu finden. So manch einer wurde deshalb im Laufe seines Lebens zweimal zum König. Und dann gab es auch noch die Geschichte, dass die Verantwortlichen für den Königsschuss hier und da im Ergebnis mogelten. „Da wurde mitunter jemand zum König der überzeugt war vorbei geschossen zu haben“, lachte Helmut Schult in der Erinnerung an die höchsten Feiertage im landwirtschaftlich geprägten Bricht. Denn das war das Schützenfest damals.


Ein Döneken hatte auch Ehefrau Margret Schult zu erzählen. Die 88jährige taffe Seniorin war im Jahr 1955 Schützenkönigin. Aber sie erfuhr es erst am Sonntagmorgen- denn die Männer hatten beim Umtrunk einfach vergessen ihr Bescheid zu geben. So standen die Adjudanten Sonntagmorgen vor ihrer Tür und überbrachten der jungen Frau die Botschaft. „Nein sagen konnte man da nicht,“ sagte sie. Und: „Zum Friseur Dahlhaus- der stand übrigens damals noch sonntags für die Frauen vom Thron parat- ging ich noch schlecht gelaunt“, berichtete sie lachend. Ein jeder der ihr begegnete habe ihr das auch ansehen können. Aber: „Als ich dann in der Kutsche saß. habe ich mich doch gefreut und natürlich ordentlich gefeiert“, erzählt sie, obwohl sie ja nicht so gern auf dem Thron war. „Da musste man sitzen bleiben, ich hab lieber an der Theke gestanden und mit den Nachbarn was erzählt.“ Bis morgens um sieben versteht sich.
Traditionen wie das Eier braten wurden erst in den späteren Jahren eingeführt. „Wir mussten ja auch noch in den Stall, da war gar keine Zeit für da“, berichtete Helmut Schult. „Schön war`s“ ist sich das Ehepaar einig.
„Eine solcher Ehrung hatten wir noch nicht“, berichtet Oberst Carsten Unverzagt erfreut, der erstmal nach einer Bezeichnung gesucht habe.