icon 157358 960 720 +49 02853 9120965 

mail 512info@schermbeck-grenzenlos.de

Anzeige
Gut geschnittenes Zweifamilienhaus mit uneinsehbarem Garten, Vollkeller mit Kelleraußentreppe und Garage in einem gewachsenen Wohngebiet in Schermbeck.

Weiterlesen ...

suchen


Offener Brief an MULNV/Frau Umweltministerin Heinen-Esser

19.4.2020 Schermbeck. In den letzten Tagen wurde nach dem Vorfallvideo in Hünxe wieder viel um  die Wölfe im Wolfsgebiet Schermbeck debattiert. Das Gahlener BürgerForum hat dazu einen offenen Brief verfasst

 Offener Brief zur öffentlichen Debatte bzgl. des Wolfsvideos vom 11.04.2020 aus Hünxe


Sehr geehrte Frau Heinen-Esser,
am Samstag, den 11.04.2020, haben zwei Wölfe einen Hirsch in unmittelbarer Nähe eines Wohnhauses in Hünxe gestellt und wurden bei ihrem Angriff auf den Hirsch von der dort lebenden Familie gefilmt. Die Frau der Familie hat später die beiden Wölfe vertrieben, so dass der Hirsch leicht verletzt flüchten konnte.

Förster Herbrecht hat daraufhin in einem Bericht der Aktuellen Stunde/WDR am 13.04.2020 schon bestätigt, dass es sich um zwei Wölfe handelt und gemeint, dass das Rotwild sich in letzter Zeit zu ungewöhnlich großen Rudeln von ca. 70 Stück zusammenrottet (sonst sind es um die 15 Stück), wahrscheinlich zum Schutz vor den Wölfen. Dies wurde auch schon zum Thema „Wildschaden durch Wildschweine“ in der Öffentlichkeit thematisiert. In einer Jagdgenossenschaftsversammlung in Gahlen berichteten die Jagdpächter Ende letzten Jahres, die Wildschweine würden sich zu sehr großen Gruppen zusammenrotten. Dieses würde die Jagd und insbesondere die Wildschadensbegrenzung an land- und forstwirtschaftlichen Flächen in unserer Region in erheblichem Masse erschweren.

Deichgräf Ingo Hülser (Deichgräf des Deichverbands Mehrum) fürchtet um die Existenz seines Deichschäfers durch die Wölfe und sieht dadurch die Unterhaltung und Pflege seines Deichabschnitts gefährdet. Aus diesem Grund hatte er sich laut Zeitungsartikel der Rheinischen Post (RP) vom 16.04.17 schriftlich an Sie gewandt und gefragt, „wer die politische Verantwortung übernimmt, wenn die Deichpflege und Unterhaltung durch Schäfer nicht mehr sichergestellt werden kann, wenn Schafe und Rinder durch Wölfe auf Straßen getrieben und Menschen zu Schaden kommen, wenn Menschen direkt durch den Wolf angegriffen werden; wenn sich herausstellt, dass ein Wolfsmanagement in einem der dicht besiedelten Räume in Europa nicht funktioniert“? Nach Ingo Hülsers Ansicht löst das Land die Probleme vor Ort nicht und hätte die Wölfin GW954f (vom Landrat Ansgar Müller liebevoll Gloria getauft) längst getötet werden müssen. Auch wir sind gespannt auf Ihre Antwort.

Der NABU-Kreisvorsitzende Peter Malzbender widerspricht Hülsers Aussage in einem Zeitungsartikel der RP vom 17.04.2020 und wirft ihm vor, sich nicht mit wissenschaftlichen Abhandlungen zur Wolfsthematik auszukennen. Er empfiehlt vom Land finanzierte Herdenschutzhunde an den Deichen einzusetzen.

Adnan Köse ruft in gleicher Ausgabe der RP bezüglich des Wolfvideos „zur Versachlichung in der Diskussion auf und verzichtet in diesem Zusammenhang bewusst auf die Begriffe wie Attacke oder Angriff, denn für ihn „sieht es doch eher wie ein Spiel aus, ein Kräftemessen, ein völlig natürlicher Hergang, an dessen Ende der Hirsch die beiden Wölfe verjagt“, nirgendwo sei zu sehen, dass die Wölfe den Hirsch bis an die Stelle, wo das Video aufgenommen wurde, getrieben hätten.

Zu all den o.g. Aussagen möchte das Gahlener BürgerForum hier Stellung beziehen und auch Fragen stellen:

Herr Hülser hat es sehr sachlich auf den Punkt gebracht. Seine Ansicht können wir vollständig verstehen und unterstützen, mit der Ausnahme, dass der Wolf/die Wölfe unserer Ansicht nach nicht unbedingt getötet werden muss/müssen, sollte eine Umsiedlung noch möglich sein (siehe auch frühere Schreiben von uns).

Herr Malzbender hat sicherlich Recht, wenn er sagt, es gäbe wissenschaftliche Abhandlungen zur Wolfsthematik, die einer Gefährdung durch den Wolf oder einer Entnahme des Wolfes widersprechen – allerdings gibt es auch genügend Abhandlungen, die das Gegenteil behaupten (an dieser Stelle möchten wir nur auf die Abhandlungen von Prof. Valerius Geist, Prof. Pfannenstiel oder Frau Prof. Ilse Storch verweisen), so dass sich jeder, der eine andere Meinung hat, auf ein entsprechendes Gutachten beziehen kann. Die Umsetzungsmöglichkeit seines Vorschlags, die Deichschafe mit Herdenschutzhunden zu schützen, muss von Experten wie Ingo Hülser bewertet werden. Wobei die Anzahl benötigter Hunde pro Schafherde sicherlich immer mindestens einer mehr sein sollte, als Wölfe im Rudel unterwegs sind – ansonsten haben Hunde und Schafe keine ernsthafte Chance, sich gegen das Rudel zu verteidigen – derzeit also mindestens drei Hütehunde pro Herde – in Abhängigkeit der Größe der Herde (ab 400) auch wesentlich mehr. Wir glauben allerdings, dass dies neben den erheblichen Kosten für die Einzäunung, Anschaffung und Unterhaltung der Hunde (Anschaffung per Hund ca. 5000,00 €/Hund und Unterhaltung ca. 2.500 €/Hund und Jahr) auch die Sperrung der Deiche - und damit auch für Tourismus, Spaziergänger und Radler - zur Folge hat; ob die Öffentlichkeit damit einverstanden ist, sei vorab zu prüfen.

Neben den wissenschaftlichen Abhandlungen sollte man unserer Ansicht nach aber auch die Abhandlungen der Historiker nicht außeracht lassen. Warum sollten sich die Wölfe der Gegenwart anders entwickeln/verhalten als die aus der Vergangenheit – sollen sie doch laut Senckenberg-Institut dieselben Gene in sich tragen?
Herrn Köse hingegen verstehen wir nun jetzt wesentlich besser. Seine Meinung, das Ganze sei nur ein Spiel, ein Kräftemessen, bei dem der Stärkere den Schwächeren vertreibt - er sieht den natürlichen Vorgang mit anderen Augen als wir.

Wir begleiten seit nunmehr zwei Jahren alle bekannten Vorgänge zu GW954f und das aus zwei Gründen: Zum einen fehlen uns Inhalte zum Schutz der Bevölkerung und Nutztiere im NRWWolfsmanagementplan, dessen hauptsächliches Ziel die flächendeckende Wiederansiedlung und der Schutz des Wolfe ist, unabhängig von der vorhandenen, regionalen Infrastruktur. Zum anderen haben wir das Vertrauen in die Arbeit des LANUV verloren (siehe u.a. unser Schreiben ans LANUV, Kopie an ihr Haus vom 10.01.2019). Seither haben unsere jagdlich versierten Begutachter ausnahmslos jeden bekannten Riss und jeden Vorgang im Nachgang zum LANUV untersucht. Zum Abgleich lassen wir unsere eigenen, forensischen Untersuchungen durchführen. Die Vorgänge wurden schriftlich und wenn möglich visuell dokumentiert. Unsere Beobachtungen inklusive vorhandener Bild- und Videomaterialien stellen wir wertfrei und sachlich in unserer Wolfskarte unter „https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1TJVCnkXvjJZF9bL7zsAawkTxdfuuKgF8&ll=51.62949 6754964535%2C6.8680728019511434&z=10„ der Öffentlichkeit zur Verfügung. Damit kann sich jeder interessierte Bürger tagesaktuell ein eigenes Bild von den Vorgängen rund um die Wölfe im Wolfsgebiet Schermbeck machen.

Die Aussage von Herrn Köse, man könne im Video nirgendwo sehen, dass der Hirsch getrieben worden sei, kann man nur seinem voraussichtlich mangelnden Sachverstand zur Wildbiologie zuordnen – der Hirsch im Video dampft wie eine Lokomotive – er muss über einen längeren Zeitraum mit größter Anstrengung gelaufen sein. Sich so zu erhitzen, macht kein Hirsch aus freien Stücken. Zu seiner Aussage „der Hirsch habe letztlich die Wölfe verjagt“ möchten wir richtigstellen, dass die Wölfe erst mit ihren Angriffen auf den Hirschen aufgehört haben, als die mutige Frau des Videofilmers die Wölfe beherzt schreiend vertrieben hat. Niemand weiß was geschehen wäre, wenn sie das nicht getan hätte. Wirklich schlimm an dem Vorfall in Hünxe ist, er sich wieder einmal in unmittelbarer Hof- und Menschennähe zugetragen hat.

Wir machen dem Wolf/den Wölfen keinen Vorwurf – es ist nur sein natürliches, gerechtfertigtes Verhalten, sich in seiner Umgebung entsprechend Nahrung zu suchen, zu töten und zu fressen. Wir sehen aber die Fragen von Herrn Hülser zur politischen Verantwortung für eventuelle Folgen in einem solch dicht besiedelten Gebiet als sehr gerechtfertigt an.

Was wäre gewesen, wenn zu dem Zeitpunkt der Wolfsattacke ein Kind hinter der Hecke am Feldsaum gespielt hätte – sicherlich eine wesentlich leichtere Beute als ein sich wehrender Hirsch? Oder wenn die Wölfe bei ihrer Jagd oder Streife durchs Revier zufällig auf ein Kind auf dem Schulweg getroffen wären – um 7:30 Uhr morgens sicherlich auch kein ungewöhnlicher Vorgang? Wer würde die Verantwortung dafür übernehmen, wenn die Wölfe sich an Kinder vergreifen – der Landrat oder Sie?

GW954f hat ihr Jagdverhalten in den letzten zwei Jahren schon wesentlich versiert. Durch das Video sehen wir nun die Veränderung/den Unterschied im Verhalten eines einzelnen Wolfes und eines Verbundes nur zweier Wölfe, die sich an einen ausgewachsenen Hirsch herantrauen. Wie mag es aussehen, wenn wir hier in der Region im nächsten, spätestens übernächstes Jahr unser Rudel mit 58 Wölfen etabliert haben? Dann scheinen die von Herrn Hülser beschriebenen Szenarien, wie durch Wolfshetze ausgebrochene, auf Straßen herumirrende Hirsche, Schafe und Rinder (wobei wir dabei die vielen Pferdehalter der Region nicht vergessen sollten) nicht zu weit hergeholt. Wer übernimmt die Verantwortung für eventuelle Kollateralschäden, der Landrat oder Sie?

Wie soll denn überhaupt untersucht/festgestellt werden, ob der Wolf der Auslöser für solche Szenarien war? Unser Antrag an den Landrat (in Kopie an das MULNV) auf Besenderung vom 18.11.2019 zielte genau auf diese Untersuchungsmöglichkeit hin, wurde aber vom Landrat mit Schreiben vom 09.03.2020 abgelehnt.

Wie sollen Wolfsattacken auf große Nutztiere wie Kühe, Rinder oder Pferde nachgewiesen werden, wenn die Halter und Tierärzte nicht auf sinnvolle Verhaltensmaßnahmen diesbezüglich hingewiesen werden (auch Inhalt eines weiteren Antrages unsererseits vom 12.01.2019 an das MULNV, abgelehnt mit Schreiben vom 30.04.2019)?

Wir stellen uns mittlerweile die Frage, ob Sie überhaupt an der Aufklärung solcher Fälle interessiert sind? Wollen Sie überhaupt, dass solche Nachweise erbracht werden?

- Wir denken, es ist an der Zeit, sich über regional unterschiedliche Wolfmanagementsysteme in Deutschland/Europa Gedanken zu machen, in Abhängigkeit von Bevölkerungsdichte und Infrastruktur. - Wir denken dabei an den Schutz unserer Nutztiere und der Bevölkerung. - Wir denken an unsere Freiheit und daran, unserer Kinder und Enkelkinder sorglos auf unseren Höfen, den umliegenden Flächen und in der Natur umherlaufen und spielen lassen zu können. - Wir denken, es ist höchste Zeit, dass Sie endlich handeln!

Und antworten Sie bitte nicht mehr, dass ihre Wolfsexperten (mit den Erkenntnissen aus 10 Jahren Wolfsmanagement bei relativ niedriger Wolfsdichte) sagen, Wölfe würden Menschen oder großes Nutzvieh nicht angreifen. In anderen Teilen Europas tun Wölfe das, und wir möchten wissen, wer die Verantwortung übernimmt, wenn so etwas auch hier geschieht?


Gahlener BürgerForum, Arbeitsgruppe Wolf

Ansprechpartner:
Jürgen Höchst 
Bruchstrasse 72
46514 Schermbeck

Bernd Kleinsteinberg
Bühnenberg 71
46514 Schermbeck

Margot Drinkmann
Küppersfeld 1  
46499 Hamminkeln

Free Joomla! template by Age Themes

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.