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Auf archäologischer Spurensuche aus der Luft

Von Finn Jungenkrüger
8.10.2021 Schermbeck. Einen besonderen Gast konnte der Heimat- und Geschichtsverein Schermbeck am Mittwoch in der reformierten Kirche begrüßen. Der Vorsitzende Rolf Blankenagel freute sich sehr, dass Dr. Baoquan Song (Ruhr-Universität Bochum) den Weg nach Schermbeck gefunden hat und dem interessierten Publikum Auszüge seiner viel beachteten Arbeiten in der Luftbildarchäologie vorzustellen. Die Luftbildarchäologie trat letztes Jahr ins Blickfeld, als der HGV eine Ausstellung über den Fund einer mittelalterlichen germanischen Turmhügelburg, auch als Motte bezeichnet, konzipierte. Das 23-jährige Vorstandsmitglied Finn Jungenkrüger nahm daraufhin Kontakt zu Dr. Song auf, der Luftbildaufnahmen zu mehreren Motten und Grabenanlagen im Schermbecker Raum zu Verfügung stellte.



Zum Beginn seines knapp einstündigen Vortrags veranschaulichte Dr. Song anhand der Sichtweise einer Katze auf ein Motiv, wozu die Luftbildarchäologie überhaupt da ist. Während die Katze das Motiv vom Boden aus nicht erkennen kann, ist dieses aus der Vogelperspektive mit vielen Details sehr gut sichtbar, sodass man deutlich mehr darüber erfährt. Diese Perspektive hat Dr. Song zum Beispiel dazu verholfen, die Zuzhou der Liao, einer bis dato unbekannten Vorstadt aus dem Mittelalter, in seiner chinesischen Heimat anhand von Schattenmerkmalen zu entdecken.

Merkmale wichtig für Spurensuche
Auf solche Merkmale kommt es grundsätzlich immer an, um neue unterirdische Spuren zu entdecken. Solche lassen sich etwa auch an Schnee-, Bewuchs- Flut- oder Bodenmerkmalen erkennen. Diese bilden sich dadurch, dass zum Beispiel nach der Niederlegung von Wällen landwirtschaftliche Flächen immer flacher werden. Verbliebene steinerne Reste würden die Struktur des Bodens beeinflussen, wodurch sich dann Merkmale bilden. Dass auch mehrere solcher Merkmale wichtig sind, zeigte Dr. Song an der Schwatten Borg in Dorsten-Rhade. So waren Gräben dieses Bodendenkmals erst durch Schneeverwehungen deutlich sichtbar geworden. Als er an einem Tag mit sehr tief liegender Sonne über Rhade flog, waren weitere Details der Schwatten Borg plastisch sichtbar.
Dr. Song startet mit seinem kleinen Flugzeug, in dem neben ihm maximal vier weitere Personen Platz finden, immer in Marl. Um während des Fliegens auch Aufnahmen machen zu können bedarf es viel Erfahrung und Training. Um die Objekte am Boden schön darstellen zu können, bring er das Flugzeug einhändig in Schräglage und fotografiert mit der anderen Hand. Es sei wichtig, auffällige Merkmale direkt aufzunehmen, da diese am nächsten Tag häufig nicht mehr vorhanden seien.

Motte am Hallenbad sehr spät entdeckt
Auf den Schermbecker Raum geht er in seinem Vortrag sehr ausführlich ein. Das erste Luftbild von Schermbeck aus dem Jahr 1926 sei noch aus einem Zeppelin aufgenommen worden und die Stadtmauer sei gut zu erkennen gewesen, weiß Dr. Song darüber zu erzählen. Auf diesem ist mit dem heutigen Wissen auch die Motte am Hallenbad erkennbar. Diese Motte ist Dr. Song erstmals 2012 bei einer Befliegung aufgefallen und hat sie auch gemeldet und publiziert – allerdings an das LWL in Westfalen. Ihm sei damals nicht bewusst gewesen, dass Schermbeck zum Rheinland gehört. Erst ein Schermbecker Heimatforscher hat den zuständigen LVR in Xanten Anfang 2014 auf den Befund aufmerksam gemacht, dem die Motte auch nicht bekannt war.




Daraufhin wurde durch das LVR eine Notgrabung veranlasst, da die Baugenehmigung bereits erteilt und vorbereitende Arbeiten im vollen Gange waren. Laut Dr. Song sei einmalig, dass eine Motte, die im hiesigen Raum sehr häufig vorkomme, erst im letzten Moment entdeckt und noch archäologisch untersucht werden könne. Die Ergebnisse der Grabungen können im Heimatmuseum in der Ausstellung „Motte – einer mittelalterlichen Burg auf der Spur“ besichtigt werden.
Weitere Aufnahmen von Dr. Song aus Schermbeck und unmittelbarer Umgebung, etwa einer Motte in Uefte, eine frühere Ziegelei in Holsterhausen oder einem früheren bäuerlichen Speicher aus Damm sorgten für großes Interesse im Publikum.

Lieblingsarbeitsplatz Xanten
Am liebsten ist der Luftbildarchäologe aber im Xantener Raum unterwegs, wo er laut eigener Aussage schon mehr als 50 römische Marschlager entdecken konnte. Am Xantener Fürstenberg waren seit der Regentschaft von Kaiser Nero permanent zwei Legionen mit je 5.000 bis 6.000 Mann untergebracht. Die Gebäudestrukturen und Bauphasen des Doppellegionenlagers Castra Vetera I sind aus der Luft dank perfekter Bodenverhältnisse bis heute ideal erkennbar. Auch über die Art und Weise, wie Materialien nach Vetera geliefert wurden, lässt sich nur aus der Luft erkennen: Vor einigen Jahren entdeckte Song Spuren von Aquädukten, die vom Boden keineswegs sichtbar waren.
Nach dem Vortrag kamen aus dem Publikum noch viele interessierte Nachfragen an den Luftbildarchäologen. Eine Vielzahl seiner Funde sind auch in seiner Publikation „Faszination Luftbildarchäologie“ aus dem letzten Jahr zu finden.

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