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Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten René Schneider SPD

6.4.2021 Wolfsgebiet Schermbeck. Nachfragen zum DBBW-Gutachten: Welche Datengrundlage wurde genutzt

Vorbemerkung der Kleinen Anfrage

Die Dokumentations-und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat in einer gutachterlichen Stellungnahme vom 28.02.2021 das Verhalten der Wölfin GW954f in einer Gesamtschau seit 2018 betrachtet. Hintergrund der Stellungnahme ist die Beauftragungdurch das LANUV am 07.01.2021. Schon im Oktober 2020 hatte sich der LANUV-Präsident bereits wie folgt geäußert: „Wenn die Wölfin in einzelnen Fällen, aber wiederholt auch in offenbar geschützte Weiden eindringt, ist das ein auffälliges Verhalten in Bezug auf Weidetiere. Um diese Einschätzung in Hinblick auf die strengen Anforderungen des Bundesnaturschutzgeset-zes abzusichern, prüfen wir die kurzfristige Beauftragung eines externen Gutachtens.“

Die DBBW kommt in ihrer Stellungnahme u.a. zu dem Ergebnis, dass die Wölfin GW954f über die Jahre gelernt hat, unter bestimmten Bedingungen auch fachlich empfohlene Schutzmaß-nahmen zu überwinden. Dies hätte sie anhand vieler Möglichkeiten gelernt, wenig oder gar nicht geschützte Tiere zu töten. Ferner schreibt die DBBW: „Sollte die Wölfin GW954f damit beginnen, in zeitlich-räumlich engen Abständen Nutztiere hinter empfohlenen Schutzmaßnah-men zu töten, so dass man von einem verfestigten Verhalten ausgehen kann und nicht von seltenen Ausnahmen bzw. sporadischen Vorfällen, die zwischen vielen Übergriffen auf wenig geschützte Nutztiere erfolgen, ist es für uns allerdings fachlich nachvollziehbar, sich dafür zu entscheiden, eine Entnahme dieses Tieres zu veranlassen.

Frau Ministerin Heinen-Esser sagte im Juni 2019 im WDR-Stadtgespräch, dass die Wölfin, wenn sie über einen voll unter Strom stehenden Zaun mit einer Höhe von 120cm springe, als verhaltensauffällig eingestuft wird. Mehrere Studien hätten bewiesen, dass ein Untergraben der Zäune durch Wölfe typisch wäre, ein Überspringen von Einfriedungen untypisch und somit auffällig.

Die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur-und Verbraucherschutz hat die Kleine Anfrage 5071 mit Schreiben vom 29. März 2021 namens der Landesregierung beantwortet.

1.Warum hat die im Oktober angekündigte Prüfung einer kurzfristigen Beauftragung eines externen Gutachtens fast drei Monate gedauert?
F
ür die Dauer der Beauftragung eines solchen Gutachtens sind die Auswahl eines geeigneten Gutachters sowie die sorgfältige Vorbereitung maßgeblich. Das MULNV hat nach der Entscheidung, die Dokumentations-und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)zu beauftragen, zunächst das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV)gebeten, die Datengrundlagen für die DBBW zusammenzustellen.
Der entsprechende Bericht hierzu erfolgte am 18.12.2020.
Auf Wunsch des MULNV hat das LANUV zunächst eine Aktualisierung der Datengrundlage vorgenommen, sodass die offizielle Beauftragung der DBBW mit E-Mail vom 11.01.2021 erfolgte.Die DBBW hat dem MULNV ihre gutachterliche Stellungnahme am 28.01.2021 übersandt.

2.Welche Unterlagen hat die DBBW genau ausgewertet? (Bitte stellen Sie diese in Ihrer Antwort zur Verfügung)
Der DBBW wurden folgende Unterlagen zur Verfügung gestellt, die auch im Wolfsportal ver-fügbar sind:
•Übersicht der Nutztierrisse in Nordrhein-Westfalen (https://wolf.nrw/wolf/de/manage-ment/nutztierrisse)
•Übersicht der Nutztierrisse im Wolfsgebiet Schermbeck
(https://wolf.nrw/wolf/web/ba-bel/media/schadenstabelle%20territorium%20schermbeck.pdf)
•Gesamtübersicht Nutztierrisse Schermbeck(Bericht des LANUV vom 08.01.2021, vgl. Anlage)

3.Warum spielt die geprüfte Verhaltensauffälligkeit eine Rolle für den Entnahmetatbestand aus § 45 Abs. 7 Nr. 1 BNatSchG?
Für den Abschuss eines Wolfes ist eine artenschutzrechtliche Ausnahme nach §45 Absatz7 in Verbindung mit §45a Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) erforderlich. Bei der Prüfung einer möglichen Ausnahme für den Ausnahmetatbestand „ernste Schäden“ist eine Beurtei-lung erforderlich, inwiefern die Erteilung einer Ausnahme bei der Abwendung zukünftiger Schäden helfen kann. Für diese Prognose ist u.a. eine Bewertung erforderlich, ob bei den Wölfen in Schermbeck ein problematisches Verhalten in Bezug auf Weidetiere erkennbar ist. Für Wölfe mit einem auffälligem Verhalten gegenüber dem Menschen wäre eine artenschutz-rechtliche Ausnahme auf der Grundlage des Ausnahmetatbestandes „Sicherheit des Menschen“ möglich.
Für ein solches auffälliges Verhalten gibt es im Territorium Schermbeck keinen Hinweis.

4.Wie definiert die DBBW „zeitlich-räumliche enge Abstände“ in Bezug auf die Risse von Nutztieren hinter empfohlenen Schutzmaßnahmen?
Die DBBW legt für einen engen zeitlichen Zusammenhang der Rissereignisse die Definition „im Regelfall einenZeitraum von maximal vier Wochen“ zugrunde. Diese Definition ergibt sich aus den im Entwurf vorliegenden Vollzugshinweisen „Hinweise zur Erteilung artenschutzrechtlicher Ausnahmen nach § 45 Abs. 7 BNatSchG beim Wolf“.

5.Bei wie vielen Rissen mit empfohlenem Herdenschutz gab es nachgewiesene Un-tergrabungen?
Bei den 56 dokumentierten Übergriffenim Zeitraum 2018 bis 2020 gab es insgesamt vier Über-griffe, bei denen nach der Dokumentation vor Ort der empfohlene Herdenschutz angewandt wurde. In diesen Fällen ist ungeklärt, wieder Wolf in diese Weiden eindringen konnte.

 

 

 

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