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Böse Oma

15.10.2011 Reken/Schermbeck. Liebe Omas! Verabschiedet euch von dem Gedanken, dass ihr irgendeinen Bonus haben könntet, was die Launen eures Enkels betrifft. Wie leicht ist doch die Welt der Wochenend-Oma. Das Enkelchen wird gebracht. Es freut sich schon den ganzen Tag darauf. Oma verwöhnt gerne und reichlich. Und Enkel verzeiht dafür auch mal ein klitzekleines Verbot.

Wenn ihr das Kind regelmäßig betreut, fällt dieser Bonus weg. An diesen Tagen ist man Mamaersatz. Mit all den schönen Seiten des Mutterdaseins. Aber leider auch mit all dem Ärger. Vorbei die Zeit, da Oma nur lieb war. Nein – Oma erzieht nun auch. Baaah!

Letzte Woche gab es einen besonders erziehungsreichen Tag. Klein-Marie ist mit ihren fünfzehn Monaten ja inzwischen so gut wie erwachsen und darf alles das, was Oma auch darf. Meint sie jedenfalls. Dazu gehört für sie unbedingt, dass sie ohne Händchenhalten spazieren geht. Auch am Rande des Gehweges, zur Straße hin. Da das nach meiner Meinung aber nicht in den Entscheiungsbereich eines Kleinkindes fällt, stießen wir mit unseren Vorstellungen über Menschenrechte und Freiheit erheblich aneinander.

Mehrmaliges süßestes Säuseln und Ablenken fruchteten überhaupt nicht. So klemmte ich Marie während des Spazierganges immer wieder unter den Arm, um Schlimmstes zu verhüten. Das zappelnde Bündel zeigte kein Verständnis für meine Autorität und schrie, als hätte ich es gerade eben aus den Armen der liebenden Mama entführt. Das hätte mir egal sein können. Ab in den Kinderwagen und gut ist. Besonders, weil mir heute diese rechte Schulter so schmerzte. Aber ehrlich – es sieht nicht sehr schön aus, wenn man als Oma das Kind im Kinderwagen schreien lässt. Es sieht auch nicht schön aus, wenn das Kind jedem Entgegenkommenden einen Blick der Verzweiflung entgegenwirft. Fleckig und verheult im Gesicht. Man fühlt sich schon etwas lieblos.

Unser Spaziergang war nicht wirklich ein Spaziergang. Mein eigentliches Ziel galt dem Supermarkt. Die Schnapsidee, das Kind heute unterwegs mal laufen zu lassen, bereute ich also bitter. Vor dem Geschäft beruhigte sich die freiheitsliebende Marie. Ich glaube, sie freute sich auf einen selbstständigen Einkauf mit freier Auswahl aller begehrten Artikel.

Nun ja. Nach gefühlten dreißig „Nein" meinerseits, um zu verhindern, dass so Dinge wie „zerquetschte Banane" oder „dreizehn Pakete Frischkäse" in meinem Einkaufswagen landeten, fand sie den Tag mit Oma wohl nicht mehr so toll. Zuhause ging das Spielchen weiter. Die vielen „Nein" und verärgerten Weinattacken ließen meine Ohren klingeln. Ach ja, da war doch was. Eine verdrängte Erinnerung an Alltäglichkeiten aus meinem eigenen Mutterdasein. Jetzt tauchte sie so langsam wieder auf. Es war nicht immer nur schön, die Erziehung von drei kleinen Kindern. Es war anstrengend. Körperlich und geistig. Deshalb, liebe Mütter von heute: Ich ziehe meinen Hut vor eurem 24Stunden-Tag. Besonders dann, wenn ich abends unbekümmert meine Beine vor dem Fernseher ausstrecke und weiß, dass ihr bei den Kindern seid, wenn sie nachts weinen.

 

 


 
 
 
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