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Auch einkaufen ohne Kind kann peinlich werden

6.10.2011 Reken/Schermbeck (pd). Woran erkennt man eine Oma als aktive Oma, auch wenn sie ohne Enkelkind einkaufen geht? Wenn eine Frau meinen Alters bei den Windeln halt macht oder mit prüfendem Blick die Babygläschen-Regale durchstreift. Dann hat man als Oma schon manchmal das Gefühl, dass die Leute hinter dem Rücken einen mit dem wissend mitleidigen Blick bedenken. Deshalb vergesse ich niemals, an der Kasse zu erwähnen, dass ich an den anderen Tagen mein Enkelkind betreue. Mehrfach!Denn Windeln und Gläschenkost auf dem Kassenband könnten den Verdacht erregen, unter ein paar unangenehmen Folgen fortgeschritteneren Alters zu leiden. Dem gilt es, vorzubeugen! Es ist eine der wichtigsten Regeln, die man als Oma, ohne Enkel im Gepäck, einhalten muss.

Noch wichtiger aber ist Regel Nr. 1. Möchte man sich eine latente Attraktivität ab 50 Jahren aufwärts erhalten, sollte man stets genau wissen, ob man gerade mit oder ohne Enkel unterwegs ist! Ist man es nicht, muss man sich das unentwegt ins Gedächtnis rufen.

Ansonsten geht es Ihnen wie mir, letztens im örtlichen Supermarkt. Mit meinen Händen am Einkaufwagen schob ich mich gedankenversunken durch die Kühlabteilung. Es war warm an diesem Tag und die Kühle der offenen Truhen tat gut. Das vielfältige Angebot von Joghurts, Cremes, Quark und Käse ließen mich über das Frühstück am nächsten Morgen nachsinnen. Ich sah ihn schon vor mir, den anregend gedeckten Tisch mit all den Leckereien.

„Ach – ich könnte doch mal wieder Quark mit Schnittlauch mischen." , meinte ich und nahm den Quark.

„Joghurt brauchen wir auch." Ich entschied mich für Erdbeerjoghurt mit 0,3% Fett."Mmmmh – mit Erdbeeren! Lecker, lecker!"

Zwei Meter weiter verlockte mich die Kräuterbutter. „Und Kräuterbutter! Das hatten wir aber lange nicht mehr."

Alles wanderte wie automatisch in den Einkaufswagen, ohne dass ich meine Augen von den bunten Regalen nahm und in Selbstgesprächen versank. Nur eine Frau neben mir, bei der Butter, fiel mir auf, weil sie mich aus dem Augenwinkel so seltsam ansah. Auch der junge Azubi, der die Quarkpakete einräumte, warf mir nicht etwa ein Lächeln zu, sondern grinste eher frech.

Schließlich brauchte ich noch etwas Schnittlauch. Ich wendete den Einkaufswagen in Richtung Obst- und Gemüseabteilung. „Sooo – jetzt drehen wir mal um. Die Oma braucht noch etwas Schnittlauch!"

Da ging ich los, mit meinem Einkaufswagen voller Quark, Kräuterbutter und Erdbeerjoghurt. Trotzdem kam er mir irgendwie leer vor. Etwas fehlte. Aber was? Ich schob noch ein bisschen weiter. Sagte noch: „Was fehlt uns denn noch?"

Da fiel es mir ein. Gerade, als mir mein gutaussehender Nachbar mit einem Brot in der Hand entgegen kam, und genauso grinste, wie der Azubi des Supermarktes. Heute war Donnerstag. Mein freier Tag. Ich hatte das Kind gar nicht mit!

Ich glaube nicht, dass eine Frau, die beim Einkaufen laut mit sich selbst spricht, irgendeine Chance hat, jemals noch von seinen Nachbarn ernst genommen zu werden. Darum, aktive Omas der Welt: Vergesst niemals die Regel Nr. 1. Mit dem Enkelkind zu sprechen, obwohl es nicht dabei ist, schadet eurem Ansehen.

 

 


 
 
 
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