Ich will ja nicht angeben ....
1.10.2011 Reken/Schermbeck (pd). .... aber mein Enkelkind kann schon sprechen. Sie glauben das nicht? Doch, Doch! Man muss nur richtig hinhören. Klein-Marie hat bereits einen großen Wortschatz aufzuweisen. Zum Beispiel „Aaaaaaa" für Apfel. „Biiiiiiil" für Bild."Auke" für Schaukeln.
Ein sehr lautes, Hörgeräte sprengendes „AAAAAAR!!!" mit verzweifelt ausgestreckten Armen für 'Ich will auf den Arm'. Ein Kreischen mit hochrotem Kopf für "Nein". Und ein von Grund auf angewidertes „BAAAHH" für alles, was ansatzweise Abfall sein könnte. Selbstverständlich auch das von mir in einer hektischen Minute aufgeschnappte, sehr unfeine Wort.
Ach ja, neuerdings sagt sie auch ein zuckersüßes „Papa". Nur 'Mama' kann sie bedauerlicherweise nicht sagen. Und 'Oma' natürlich auch nicht, weil sie schlicht und ergreifend kein 'M' aussprechen kann. Wir haben schon alles versucht. Stundenlanges Vorsprechen von „Mamamamamama..." oder einfach nur „Mmmmmmmmmmmm", bis uns die Lippen kribbelten. Nichts fruchtet. Klein-Marie ist das einzige Kind in meinem Umkreis, das mit einem Jahr ein deutliches 'K' verlauten lässt, doch nicht ein einziges 'M'. Mama zweifelt schon an sich selbst.
Das alles ist aber nichts gegen die Sprachkünste ihres zweijährigen Cousins Finn. Dieser Junge ist ein reines Sprachwunder. Irgendwann muss es in seinem Kopf 'Klick' gemacht haben und ab da an sprudelte er los. Drei- bis Viersilbige Wörter, ganze Sätze, kein Probelm. Das führte dazu, dass man ihm außer den extra schweren Wörtern: 'Ventilator', 'Schildkröte' und 'Happy Birthday to you' so wichtige Wörter beibrachte wie:: 'Flitzpiepe', 'Wahnsinn', 'Drehwurm' und eine Handvoll ähnlich nützlicher Wörter, die ihn in seinem Leben sicher weiter bringen werden.
Da die beiden Kleinen nun in der Lage sind, sich miteinander zu unterhalten, erlebten staunende Mutter und Großmutter das nachfolgende Gespräch. Schwer bepackt mit all den Utensilien, die Oma so für die Betreuung braucht, klingelte ich mit einem weinenden Kind auf der Hüfte bei Maries Tante an. Finn war wie immer schneller als Mama und begrüßte mich mit einem enttäuschten: „Opa Gerd (kopfschütteln) mit?", "Opa arbeitet, bohrt, hammert!"
Ich stellte die in Tränen aufgelöste Marie vor ihm ab und kramte schon mal ein Taschentuch aus meinem Rucksack. „Marie weint laut, Ohr weh!", meinte er zu Recht. „Ja", sagte ich seufzend, während ich nebenbei meine Tochter mit dem neugeborenen Nils auf dem Arm begrüßte. „Ich bin noch nicht dahinter gekommen, was sie genau hat."
Mit einem ernsten und prüfenden Blick inspizierte der Zweijährige Klein-Marie von oben bis unten. Dann, mit einer der sachlichsten Mienen der Welt, stellte er fest: „Nase hart!" Kurzerhand ergriff er das Taschentuch, das ich in der Hand hielt, und putzte mit dem grobschlächtigen Geschick eines Kleinkindes an Maries Nase herum. Zu unserer Verblüffung hielt Marie seinen Bemühungen skeptisch, aber tapfer stand. Das Weinen stellte sie ab.
Er, mit verschmiertem Papiertuch in der Speckhand: „Nase besser! Nicht schlimm!" Sie, mit Blick auf den Inhalt des Tuches: „BAAAAH!" Er: „Bah! Abfall! Mitkommen!" Dann marschierten sie los, Hand in Hand, ernst wie zwei Erwachsene in einer wichtigen Mission und warfen „BAAAAH" gemeinsam in den Abfall. Meine Tochter und ich blickten ihnen stumm nach. 'Nase hart' werde ich demnächst wohl direkt mal selbst überprüfen, wenn das Kind sich nicht beruhigen lässt.
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