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Oma mit Wickeltaschen Rucksack

21.9.2011 Reken/Schermbeck (pd). Wie reist man mit einem Kleinkind im Gepäck? Vielmehr im Autositz? Ganz leicht! Man nehme das Nötigste mit, was man brauchen könnte, wenn das Kind sich vollmacht oder weint. So ganz nebenbei – ich möchte gar nicht wissen, wie ich als Oma mit Wickeltaschen-Rucksack auf meine Umgebung wirke!

Jedenfalls nicht, wie eine Großmutter, die gemütlich ein Stündchen mit ihrem Enkel spazieren geht.

Für meinen geplanten Besuch bei Klein-Maries Tante packte ich das Allernötigste ein. Also: 3 Windeln, 1 Wegwerf-Wickelunterlage, Popocreme, ein Fläschchen mit Wasser, zwei Breigläschen, 1 Banane, 1 Lätzchen, 1 Schnuller, 1 Packet Feuchttücher, luftdichte und auf jeden Fall gut verschließbare Windeltüten, 1 Kuscheltuch in lila, 1 Ersatzbody, 1 Ersatzstrumpfhose, 1 Ersatzpulli, 1 Ersatzjeans, Beißring, Ersatzkuscheltuch in weiß und Ersatzschnuller! Außerdem Spielzeug für unterwegs und eine CD mit Kinderliedern für die ungefähr 10 Minuten dauernde Autofahrt.

Ich war mir sicher, noch etwas vergessen zu haben. Der Rucksack hing an meinen Schultern wie gefühlte zwei Kartoffelsäcke. Eilig schnappte ich mir das Kind, setzte ihre elf Kilo auf meine Hüfte – gefühlte drei Kartoffelsäcke! – griff nach dem Haustürschlüssel und marschierte zum Auto. Gleich darauf marschierte ich mit meinen fünf Kartoffelsäcken zurück, weil ich den Autoschlüssel vergessen hatte. Zu dumm. Klein-Marie war nicht dazu zu bewegen, ein paar Schritte zu laufen, was sie bekanntermaßen schon sehr gut kann. Mein Arm wurde länger.

Nach sieben Minuten kopfloser Suche fand ich den völlig vollgesabberten Schlüssel im Laufstall und eilte erneut zur Haustür. Gerade da klingelte das Telefon. Leider sah ich schnell noch auf die anrufende Nummer. Der Handwerker, auf dessen Rückruf ich den ganzen Morgen gewartet hatte! Ich ging ran. Marie auf meiner geplagten Hüfte machte ein Doppelkinn und bekam einen leicht roten Kopf. Kein gutes Zeichen! Ein zufälliger Blick in den Spiegel während des Telefonats zeigte, dass mein eigener Kopf noch eine Idee roter leuchtete. Denn in meine Schultern gruben sich die Striemen des Rucksacks wie Kerben ein. Das Gespräch mit dem Handwerker musste ich dann doch auf Morgen verschieben, weil Maries schreiender Mund zu nah am Mikrofon des Telefons weilte.

Zügig schleppte ich uns zum Auto. Noch auf den paar Metern bis zum Carport platzte, warum auch immer, der Klettverschluss des Wickelrucksacks auf. Eine freundliche Nachbarin machte mich darauf aufmerksam, dass sich die Hälfte meiner Notfallutensilien auf der Straße verteilte. Ich werde mich heute noch bei ihr entschuldigen, denn verbissen ignorierte ich sie und brachte erst einmal das weinende Kind zum Autositz. Es ging nicht anders. Mein Arm drohte endgültig, abzureißen. Der plötzlich sehr viel leichtere Rucksack passte natürlich nicht mit mir zusammen in die schmale Öffnung hinter dem Beifahrersitz meines Zweitürers. Ich blieb hängen. Das nächste Auto musste ein Viertürer sein. Unbedingt! Wütend presste ich ein sehr, sehr unschönes Wort heraus, das ich hier nicht wiederholen möchte. Genau genommen waren es zwei Wörter und das erste davon hieß „alte ..." Ja, ich weiß! Doch nicht vor dem Kind! Aber irgendwie musste ich mir Luft machen. Etwas Gutes hatte das Ganze wenigstens. Angesichts meines ungewohnten Ausrufs verwandelte sich Klein-Maries Weinen in ein lautes Lachen.

Nach dem Gefummel mit dem Autositz sammelte ich, unter den Augen meiner kopfschüttelnden Nachbarin, Windeln, Schnuller und Co. von der Straße und raste alleine ins Haus, um das Gleiche in sauber zu holen. Das machte ich alles mit Links. Aber nur, weil mein rechter Arm vom schweren Tragen regelrecht eingesteift war.

Endlich, endlich, konnten wir fahren. Marie lachte immer noch. Langsam bekam ich Angst, sie könnte sich mein unfeines Wort gemerkt haben. Es wäre nicht so schön, wenn sie, neben den ersten fünf Wörtern, die sie gerade mal sprach, ausgerechnet dieses Wort behalten würde.

Es tat so gut, als die Schulterschmerzen während der Fahrt allmählich verschwanden. Und auch mein Arm gewann seine Beweglichkeit zurück. Zufrieden mit mir schmunzelte ich. Ich hatte es doch ganz gut gemeistert. Das Kind saß im Autositz. Alles war verstaut. Was sollte da noch kommen? An der nächsten Kreuzung sagte Marie hinter mir leise: „Bubu?"

Ich zuckte. Bubu! Maries Lieblingsbärchen! Das unentbehrlichste aller Notwendigkeiten. Ich wusste doch, dass ich etwas vergessen hatte! Und ich wusste, was ich zu tun hatte. Zu Hause rief ich erst einmal meine Älteste an, dass sich mein Besuch um eine gute Stunde verspäten würde. Sie sollte gar nicht erst fragen, warum.

Am Abend telefonierte ich mit Maries Mutter. Aufgeregt erzählte sie mir: „Du errätst nie und nimmer was das Kind vor dem Schlafen gesagt hat!"

Gut, dass man am Telefon meinen roten Kopf nicht sehen konnte.

 

 


 
 
 
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