Ausstellung „Aktion B" 17 BHs - neun Künstlerinnen soll Frauen sensibilisieren
2.2.2012 Schermbeck (pd/geg). Erstaunt, erschreckt, verwundert, amüsiert- so wirkten die Blicke der Besucherinnen und Besucher in der Volksbank Schermbeck. Denn eine etwas ungewöhnliche Ausstellung ziert derzeit die Schalterhalle des Bankinstitutes. Es sind BH`s, die hier Eindruck schinden und zu Diskussionen anregen, vielleicht auch die eine odere andere Frau über den gewöhnlichen Inhalt der hier ungewöhnlich anzusehenden Kledungsstücke nachdenken lassen.
Die Ausstellung „Aktion B – Nichts sollte Ihnen näher am Herzen liegen" zeigt 17 BHs prominenter Frauen, die von neun niederrheinischen Künstlerinnen mit Phantasie, Kreativität und Können bearbeitet und verfremdet wurden.Sie – BH-Spenderinnen und Künstlerinnen - unterstützen so das Anliegen für das Thema „Brustgesundheit" Öffentlichkeit herzustellen. Frauen sollen angeregt werden, bewusster mit sich und ihrem Körper umzugehen.

Für Bankvorstand Rainer Schwarz, der den Organisatorinnen bescheinigte mit ihrem Anliegen einen Weg zwischen Seriosität und Tabubruch gefunden zu haben, war es nach seinen Angaben kein leichtes Unterfangen, diese Ausstellung zu eröffnen: "Es gibt auch Grußworte, die einem leichter fallen", so Schwarz. Viele hätten sicher noch in Erinnerung, dass die Generation der heutigen Großmütter ihre Büstenhalter vor und nach der Wäsche schamhaft versteckt hielten.
"Wir Menschen wollen Gefahren nicht wahrhaben. Wir alle reden Risiken klein, wenn wir glauben, wir hätten sie im Griff. Und es ist ja auch gut, dass wir nicht jeden Tag daran denken, wie lebensgefährlich unser Leben jeden Tag ist.Aber einmal im Jahr vielleicht? Einmal im Jahr - und dann auch wirklich den Vorsorgetermin machen beim Arzt? Und bitte nicht wieder verschieben. So wie im letzten Sommer", mahnte Rainer Schwarz, der den Mut der Künstlerinnen zu dieser ganz besonderen Ausstellung bewundere und mit leichtem Augenzwinkern hinzufügte: "Ich bin auch gespannt, was meinen Geschlechtsgenossen einfällt, um demnächst auf das Thema Prostata-Vorsorge aufmerksam zu machen". In der Werbung, in den Medien sind Brüste und Dekolletés allgegenwärtig. Trotzdem ist für viele Frauen ein unbefangener Umgang mit der Gesundheit der eigenen Brust nicht selbstverständlich. Tastuntersuchungen und andere Früherkennungsangebote werden immer noch zu wenig genutzt.
Die durchschnittlichen Zahlen der inoperablen Brusterkrankungen und das unabhängig vom Alter der Frau, liegen im Kreis Wesel drei Prozent über den Durchscnittswerten, stellte Frau Dr. med. Daniela Rezek, Chefärztin der Senologie und des Brustzentrums in der Frauenklinik des Marienhospitals Wesel fest, als sie dort im Jahr 2006 ihren Dienst antrat und: "Die Teilnahme am Screening sollte bei 70 Prozent liegen, liegt aber gerade mal bei 54 Prozent". Frauen gingen oft sehr spät zum Arzt, dabei sei ein Brustkrebs, früh erkannt, heute zu 98 Prozent heilbar, so Dr. Rezek, die sich mit den Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Wesel zusammenfand um Öffentlichkeit für dieses Thema herzustellen. Mit einer Plakat-Aktion und Flyern habe wir versucht, die Frauen zur Vorsorge zu bewegen aber es hat niemanden interessiert“, so Rezek. Die Ausstellung „Aktion B" soll diese Aufmerksamkeit wecken und Bewusstsein schaffen. Dafür habe man prominente Frauen gebeten, einen BH zu spenden, den Künstlerinnen dann zu Ausstellungsstücken verarbeiten sollten. "Das war nicht so einfach, denn ein BH ist ein intimes Kleidungsstück, den Frau nicht so gern zeigt", so Dr. Rezek. 17 Objekte haben die Organisatorinnen schließlich erhalten, die zu besonderen Hinguckern wurden. Augenzwinkernd verführen sie dazu, sich einem Thema anzunähern, zu dem Frauen eigentlich lieber auf Abstand gehen. Dr. Rezek:"Wir sagen: Frauen schaut auf Euch! Seid achtsam, kümmert Euch um den Inhalt der BHs, nutzt alle Formen der Früherkennung". Die Ausstellung ist noch bis zu, 15. Februar in der Volksbank zu besichtigen.
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